Poetry Slam

Am 17.11.2016 fand der Poetry Slam „Freispruch“ im Spektakel in Wien statt und ich hatte die Freude live dabei sein zu dürfen. Für alle die sich unter einem Poetry Slam nicht allzu viel vorstellen können, man nennt es bei uns auch „Dichterwettstreit“. Und für die, die sich darunter immer noch nichts vorstellen können, läuft es ungefähr so ab:

Verschiedene Poeten und Poetinnen (in diesem Fall waren es PoetInnen, die sich schon zuvor bei einem anderen Slam qualifiziert hatten) tragen auf der Bühne ihre Texte vor und werden von der Jury, mithilfe von Punktetafeln, bewertet. Die Jury wird davor zufällig aus dem Publikum (nehme ich an) ausgewählt und darf auch beim schlechtesten Text nicht Augen und Ohren verschließen, sondern muss tapfer durchhalten.

Frauenkörper

Natürlich weiß man bei einem Poetry Slam nie welche Texte man zu hören bekommt, bzw. welchem Thema sie gewidmet oder aus welcher Gefühlslage sie vielleicht entstanden sind, weshalb es auch nicht sicher war, ob überhaupt irgendein Text das Thema Sexismus streifen würde. Aber nichts desto trotz enttäuscht so ein Slam selten. Neben vielen wirklich beeindruckenden Texten, stach einer besonders hervor. 

In dem Text ging es um den Körper einer Frau und wie er zu sein hat oder auch nicht zu sein hat. Denn Fakt ist, wir leben in einer Welt, in der kleine Mädchen schon Fotos von gephotoshoppten Models auf Instagram liken, um eine halbe Stunde später nach einem kritischen Blick in den Spiegel, das Abendessen ausfallen zu lassen.

Wir leben in einer Welt, in der es „normal“ ist seinen Körper zu hassen und in der man schräg angeschaut wird, wenn man es doch tatsächlich wagt etwas an sich zu mögen, ja gar schön zu finden. Ich meine wo denken wir hin?

Endergebnis

In dem Text geht die Autorin vor allem darauf ein, dass vom weiblichen Körper so viel abverlangt wird, doch nie irgendwas reicht. Wir sollen natürlich sein, aber nicht zu natürlich, denn „schön“ soll es ja schon noch sein. Wir sollen weiblich sein, aber nur an den richtigen Stellen, denn alles andere ist unerwünscht und sollte am besten entfernt werden. Wie ist egal.

Egal wie schmerzhaft oder erniedrigend. Egal wie viel Feuerholz man dem Selbsthass auch nachschieben muss, nur das Endergebnis zählt.

Und nachdem die Autorin all das aufzählt, wie sie zu sein hat, wendet sie das Blatt und sagt, dass sie „Frau über ihren Körper“ ist und niemand ihr sagen kann wie sie zu sein hat.

Keine Rechenschaft

Wir schulden niemandem Rechenschaft und trotzdem legen sich so viele Frauen unters Messer. Denn den eigenen Körper ohne Schönheitsop gut finden- geht das?

Ich stelle die Frage ob das geht und will sie eigentlich gleich wieder löschen. Denn es sollte diese Frage gar nicht geben. Wir schulden niemandem Rechenschaft wegen unseren Körpern. Absolut niemandem. Egal ob Mann oder Frau, niemand hat das Recht uns einzureden wir müssten anders ausschauen als wir sind.

Eindruck

Bei mir hat dieser Slam eine ganz starke Botschaft hinterlassen und viele Gedanken aufgewirbelt. Das ganze Event war überaus positiv, aber da es ein Slam war, gab es keine anschließende Diskussion oder dergleichen.

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