Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Gehorsam.

Mein Interesse an der Ausstellung wurde schon früh geweckt, da die Plakate schon eine ganze Weile gut sichtbar in Wien verteilt zu sehen waren. Was mich erwarten würde, wusste ich nicht, schließlich ist Sex ein großes Thema mit vielen verschiedenen Unterthemen und für manche immer noch ein Tabuthema. 

Was passiert vor dem Sex?

Im ersten Teil der Ausstellung geht es darum, was vor dem Sex passiert. Angefangen mit Blickkontakt, wie er entsteht, was er vermittelt und wie sich die Menschen früher nähergekommen sind. Hier werden geschichtliche Aspekte eingebracht, wie zum Beispiel die Heiratsvermittlung oder Debütantinnenbälle. Ich fand den Teil ziemlich interessant, weil man viel zum nachlesen hatte und ein altes Ballkleid bewundern konnte. Es war spannend zu erfahren, wie es früher ablief einen Mann zu finden.

Die Kirche spielte früher noch eine größere Rolle und besagte, dass die Heirat zwischen Mann und Frau als einmaliges, ewig andauerndes Bündnis nicht gebrochen werden darf. Scheidung und eine Wiederheirat waren sowieso undenkbar. Sex war  nur ein Mittel zum Zweck, nämlich um Kinder zu produzieren. Passend dazu wurden auch die ersten Verhütungsmittel ausgestellt. Vom wiederverwendbaren Schafsdarmkondom bis hin zu einer Scheidenausspülung mithilfe einer Pumpe. An dieser Stelle war ich sehr froh über die heutigen Möglichkeiten.

Auslebung der Sexualität und ihre Schattenseiten

Von den Verhütungsmitteln ging es weiter zu verschiedenen Auslebungen der menschlichen Sexualität zum Beispiel wurde das Leben in einer Kommune gezeigt. Die Bilder dazu zeigten einen freien, entspannten und fröhlichen Lifestyle. Weniger fröhlich war ich, als ich die Bürgerinitiative las, die besagte, dass man Homosexuelle Menschen verfolgen und verprügeln soll. Genauso wie es früher als Sünde angesehen wurde, Sex mit Menschen mit einer anderen Herkunft zu haben. Das nächste Thema war Pädophilie und Missbrauch. Beides wurde früher nicht sehr ernst genommen und auch nur halbherzig verfolgt, da es vor allem oft in der Kirche vorkam und leider immer noch vorkommt. Die Themen waren absolute Tabuthemen die sich hinter verschlossenen Türen abspielten. Falcos Musikvideo „Jeanny Part One“ welches man sich an dieser Stelle anhören konnte, war ein absoluter Skandal und viele Medien wurden aufgefordert dieses Video nicht zu zeigen.

Sexorte und Sexarbeit

Hier wurde schnell klar, dass Sex sich nicht mehr nur im Ehebett abspielte, sondern auch in Clubs, Swinger Clubs und Bordells bis hin zur Sauna und öffentlichen Bädern in Parks sowie Toiletten.

Ein weiterer Ort und ein weiteres Thema war der Straßenstrich und die käufliche Liebe. Wie Sexarbeit unter gewissen Auflagen und Bedingungen erlaubt wurde. Trotzdem müssen die ArbeiterInnen immer noch darum kämpfen anerkannt zu werden und Versicherungen zu bekommen. Man bekommt einen kleinen Einblick in das Leben von Sexarbeitern und Beispiele von ihrer Kleidung, deutlich wird auch, dass es hauptsächlich ein Frauenberuf ist.

Was kommt danach?

Über verschiedene Stellungen und Darstellungen von Sex begibt man sich dann in Richtung des letzten Teil der Ausstellung. Hier dreht sich alles darum, was nach dem Sex passiert.

Wie oben schon erwähnt, war es früher oft üblich, direkt nach dem Sex verschiedene Methoden von Scheidenauspülung anzuwenden um eine Schwangerschaft zu verhindern. Das diese Verhütungsmethode nicht sehr zuverlässig war, ist nicht überraschend.

Abtreibung wird von der Kirche als Mord gesehen und die Methoden die es früher dafür gab, waren sehr gefährlich und oft überlebten die Frauen die Abtreibung nicht. Von einem der ersten Schwangerschaftstests ging es dann zum Thema Geschlechtskrankheiten, wie sie sich äußern und wie Betroffene von der Gesellschaft verstoßen wurden. Früher waren Geschlechtskrankheiten oft ein Todesurteil, heutzutage gibt es zum Glück schon mehr medizinische Möglichkeiten. Die Ausstellung endet dann aber doch nicht ganz so trist, sondern zeigt noch einen Kurzfilm. Im Kurzfilm wurden Passanten befragt, was sie nach dem Sex gerne machen. Die Antworten gingen vom Kuscheln, Duschen, Zigarette danach bis hin zur nächsten Runde.

Fazit

Für mich war die Ausstellung sehr interessant und spannend. Ich fand den Aufbau sehr gut gelungen und strukturiert. Es gab viel zum Lesen, Hören, und Anschauen und es zog sich mit den 3 Teilen „Vor dem Sex“, „Während dem Sex“ und  „Nach dem Sex“ ein roter Faden durch die Ausstellung. Was mich sehr schockiert hat, waren die Hetzaufrufe zur Gewalt gegen Homosexuelle und wie wenig Missbrauch nachgegangen wurde. Die Ausstellung behandelt bis auf das Thema „Hass im Netz“ in gewisser Weise alle Themen unseres Blogs. Homophobie, Rassismus und auch Feminismus. Diese Themen werden vom Geschichtlichen, bis hin zum heutigen Alltag gezeigt. Überraschend fand ich auch, dass bei meinem Besuch hauptsächlich ältere Menschen waren. Die Stimmung war sehr locker und nicht irgendwie peinlich berührt. Vielleicht auch dadurch, dass im Hintergrund öfter Synonyme für Sex wie „Schnackseln“ zu hören waren. Außerdem regt die Ausstellung zum Nachdenken an, wie sich doch vieles verändert hat und auch zum Guten verändert hat. Trotzdem sind Themen wie Homophobie leider noch immer ein schwieriges Thema, obwohl die Gesellschaft schon liberaler geworden ist. Zusammengefasst hat mir die Ausstellung sehr gut gefallen und ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen.

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